Doing multilocal family – Aufwachsen in multilokalen Familienarrangements

Abstract
In der Schweiz wachsen aktuell rund 90 000 Kinder an mehreren Orten auf. Sie pendeln regelmässig zwischen Vätern, Müttern, Geschwistern, Halbgeschwistern und weiteren Bezugspersonen. Für multilokal lebende Kinder besteht Familie nicht als unhinterfragtes Setting. Fragen der Zugehörigkeit stellen sich für sie anders als für Kinder aus herkömmlichen Familien. Ihre Lebenswelt fragmentiert sich in verschiedene, die sie für sich auf unterschiedliche Weise verbinden. Und nicht zuletzt organisieren diese Kinder gemeinsam mit ihren Bezugspersonen ihren multilokalen Alltag. 
Bislang weiss man wenig darüber, wie multilokale Arrangements das Leben von Kindern und ihren Familien beeinflussen. In der Schweiz ist das Phänomen deshalb gesellschaftlich relevant, weil sich aufgrund geänderter Rechtsgrundlagen und dem normativen Wandel von Vaterschaft die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Kinder multilokal aufwachsen.
Geteilte Elternschaft über Haushalte hinweg kann verschiedene Hintergründe haben: Hier untersuchte Settings sind Nachtrennungs- und Patchworkfamilien, aber auch bei Regenbogenfamilien mit biologischen und sozialen gleichgeschlechtlichen Elternteilen. 
Im Fokus der Studie steht die ausgehandelte und gelebte Alltagspraxis multilokal lebender Familien. Hier wird unweigerlich thematisch, wie sich familiale Geschlechterrollen und -ordnungen konstituieren und ggf. transformieren. Ausserdem soll untersucht werden, ob Mädchen und Jungen in den gegebenen Familienkonstellationen geschlechtsspezifische Rollen einnehmen, ob sie unterschiedliche Routinen und Praktiken der Raumaneignung, des „Doing home“ sowie der sozialen Integration an mehreren Orten entwickeln. 
Die Studie bezieht sich auf Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren und ihre Bezugspersonen. Mit kindzentrierten qualitativen Methoden (Interviews, Fotografien, gemeinsamen Begehungen etc.) werden Daten erhoben und Fallstudien entwickelt, die ein differenziertes Bild des alltäglichen Familienlebens im multilokalen Setting zeigen. 

Einbettung
Das Dissertationsvorhaben ist Teil des Gesamtprojektes „Kinder in multilokalen Familienarrangements“, das unter der Leitung von Dr. Heidi Simoni, Leiterin des Marie Meierhofer Institutes für das Kind und Prof. Dr. Andrea Büchler, Institut für Rechtswissenschaften Universität Zürich sowie in Kooperation mit Heidi Stutz und Tanja Guggenbühl vom Büro BASS entsteht. 

Superivsorin: Prof. Dr. Andrea Maihofer (Universität Basel) 

Co-Supervisorin: Prof. Dr. Vera King (Goethe-Universität & Sigmund-Freud Institut, Universität Frankfurt a.M.)


 

Biographisches 
Lizentiat in Soziologie an der Universität Bern, Nebenfächer Ethnologie, Politikwissenschaften und Geschichte.
Seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin Familiensoziologie am Marie Meierhofer Institut für das Kind in Zürich, Doktorandin im Graduiertenkolleg Gender Studies Uni Basel und Dozentin am Careum Aarau (NDS Mütter- Väterberatung). Arbeitet in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen mit, so z.B. in der kantonalen Jugendhilfekommission Zürich.
Vorher beruflich tätig als Stv. Leiterin strategische Projekte und als Projektleiterin im Bereich der frühkindlichen Bildung (www.kinder-4.ch) in der Abteilung Bildungsplanung, Bildungsdirektion Kanton Zürich (2007-2017), als Assistentin für Soziologie an der PH Bern (2003-2007), Fraktionssekretärin im Grossen Rat Kanton Bern (2000-2003). Tätig in verschiedenen Gremien zu Integration und Gleichstellung. 
Geboren 1978 in Basel, wohnt mit Familie in Zürich.

Prtrait von Muriel Degen

 

Muriel Degen Koch  
Gesellschaftswissenschaften | Gender Studies  
Rheinsprung 21  
4051 Basel  

muriel.degenkoch@unibas.ch