Location: Alte Universität, Besprechungsraum 003, Basel
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GGSB
«Sicherheit» und «Sorge» werden im Kontext queer-feministischer Demokratietheorie oft gegenläufig
verwendet. «Sicherheit» erscheint primär als politisches Konzept, mit dem auf nationaler und globaler
Ebene die Militarisierung der Gesellschaft und der Einsatz staatlicher Gewalt gegen soziale Minderheiten
und die politische Opposition gerechtfertigt werden kann. In diesen Sicherheitsdiskursen artikuliert sich
ein Verständnis von Politik, das auf dem Prinzip von Kampf, Bedrohung und Verteidigung basiert und die
Macht patriarchaler, cis-heteronormativer und ethno-nationalistischer Normen verstärkt. Im Gegensatz
dazu gilt «Sorge» resp. «Care» aus queer-feministischer Perspektive als ein ethisch-politisches Konzept,
das eine Vision gerechter, solidarischer und nachhaltiger gesellschaftlicher Verhältnisse denkbar macht
und in der alltäglichen Praxis verankert. Statt wie im Sicherheitskonzept auf Prinzipien von Kampf und
Konflikt basiert Care auf dem Primat und der Anerkennung sozialer Bezogenheit.
In dieser Gegenüberstellung geht allerdings verloren, dass auch «Sicherheit» aus queer-feministischer
Perspektive eine grundlegende normative Referenz darstellt. Sicherheit erscheint unverzichtbar, um das
Grundrecht aller Geschlechter und Sexualitäten zu garantieren, frei von Gewalt, Unterdrückung, Einschüchterung
und Prekarität zu leben und sich individuell und gemeinschaftlich entfalten zu können.
Beide Konzepte, Sicherheit und Sorge, bieten demnach queer-feministischer Politik und Ethik eine
normative Orientierung. Statt die Begriffe als Gegensätze zu konzipieren, erscheint es hilfreicher, sie
zueinander in ein Verhältnis zu setzen. Wie verändert sich die Bedeutung von Sicherheit, wenn sie als
Sorgepraxis gedacht wird? Und wie lässt sich Sorge auf die Bereitstellung von Sicherheit ausrichten?
Sind die Konzepte von Sicherheit und Sorge systematisch ko-konstitutiv? Und wie lassen sie sich als
demokratische Praktiken bestimmen? Diese Fragen eröffnen einen Raum, um Sorge und Sicherheit
konsequent in ihren demokratietheoretischen und normativen Dimensionen zu reflektieren und für eine
queer-feministische Vision einer gerechten Gesellschaft und demokratischen Politik zu nutzen.
Anmeldung: ggsb-genderstudies@unibas.ch
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