Susann Täschler

Vaterfiguren des aktuellen Spielfilms. Erziehungswissenschaftliche Filmanalysen

Obschon Generationenverhältnisse das zentrale Thema der Erziehungswissenschaften sind, wendet man sich der Familie als primäre Sozialisationsinstanz und zentralem Interaktions- und Lebensort erst seit Kurzem zu. Eine differenzierte Betrachtung der Elternschaft steht allerdings noch aus. In der vorliegenden Arbeit befasse ich mich mit der medialen Repräsentation von Vaterschaft und familialen Lebensformen. Für Einblicke in den Familienalltag greife ich auf filmisches Quellenmaterial des 21. Jahrhunderts zurück, wobei ich die Filme in der Perspektive der Cultural Studies als Dokumente des sozialen Lebens lese. 33 Spielfilme, die zeitgenössische Themen verhandeln und zwischen 2000 und 2013 in einem Schweizer Kino zur Erstaufführung kamen, bilden meine Datengrundlage. Diesen Filmen wurden eine oder mehrere Szenen entnommen, in denen ein ‚familiales Generationengefüge’ erkennbar wird. Die Fragen, die diese Untersuchung leiten sind:

  • Welches sind die Merkmale, die ein ‚allgemein-generatives Verhältnis’ von einem familialen Verhältnis unterscheiden?
  • Welches sind die Merkmale, welche die Vaterfigur kennzeichnen?

respektive

  • Wie konstruiert der zeitgenössische Film das väterliche ‚Doing-Family’?

Ziel der Arbeit ist zum einen die vertiefte, erziehungswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Vater und zum Anderen, die Nutzbarmachung eines populären Mediums für die sozialwissenschaftliche Forschung. In Anlehung an die Dokumentarische Methode stelle ich mit der seriellen Szenenanalyse eine Bearbeitungsmethode vor, die der Eigentümlichkeit des Films als ein audiovisuelles Bewegtmedium Rechnung trägt. Die Untersuchung spezifischer Mise-en-Scènes eröffnet einen neuen Zugang zur Darstellung pädagogischer Phänomene im Film.

Auswahlliteratur:

Bohnsack, Ralf (2007): Dokumentarische Methode und praxeologische Wissenssoziologie. In: Schützeichel, Rainer (Hrsg.): Handbuch Wissenssoziologie und Wissensforschung. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz. (S. 180-190).

Ecarius, Jutta (Hrsg.) (2007): Familie. Ein erziehungswissenschaftliches Handbuch. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden

Imdahl, Max (1996): Cézanne - Bracque - Picasso. Zum Verhältnis zwischen Bildautonomie und Gegenstandssehen. In: Boehm, G. (Hg.): Max Imdahl, Gesammelte Schriften, Band 3: Reflexion – Theorie – Methode. Frankfurt/M.: Suhr kamp (S. 300-380).

Müller, Hans-Rüdiger (1999): Das Generationenverhältnis. Überlegungen zu einem Grundbegriff der Erziehungswissenschaft. In: Zeitschrift für Pädagogik 45/6 (S. 787-805).

Panofsky, Erwin (1975): Ikonographie und Ikonologie. Du Mont Verlag. Köln.

Rendtorff, Barbara (2007): Geschlechteraspekte im Kontext von Familie In: Handbuch Familie, 2007 Ecarius.

Schinkel, Sebastian (2014): Sich zueinander ins Verhältnis setzen. Zur Verräumlichungspraxis im Zusammenleben als Familie. In: Tervooren, A. (Hrsg.): Ethnographie und Differenz in pädagogischen Feldern. Internationale  Entwicklungen erziehungswissenschaftlicher Forschung. Transcript Verlag. Bielefeld. (S, 387-406).

Winterhager-Schmid, Luise (Hrsg.) (2000): Erfahrung mit der Generationendifferenz. Beltz. Weinheim.

Wulff, Hans J. (2003): Generationsbeziehung und Schwangerschaftproblematik in Spielfilmen der 90er Jahre. In: Ehrenspeck, E./Schäffer, B. (Hrsg.): Film- und Fotoanalyse in der Erziehungswissenschaft. Ein Handbuch. Opladen: Leske + Budrich. (S. 419-436).

Supervisor: Hans-Ulrich Grunder

Co-Supervisor: Andrea Maihofer

 

Bio:

Susann Täschler ist seit 2014 Doktorandin am Institut für Bildungswissenschaften an der Universität Basel, seit Mai 2015 Kollegiatin im Graduiertenkolleg Geschlechterforschung IV "Geschlechterverhältnisse - Normalisierung und Transformation" sowie Mitglied des Teilprogramms der Graduiertenschule Social Sciences (G3S) des Departements Gesellschaftswissenschaften der Universität Basel. 

Masterabschluss 2013 in Educational Sciences (Joint Degree Forschungs- und Studienzentrum Pädagogik der Universität Basel und pädagogischen Hochschule, FHNW) mit einer ethnographischen Arbeit über Erziehung, Raum und pädagogische Zeigeformen.