Fleur Weibel

„Wir heiraten“. Eine Ethnographie der Inszenierung von intimen Paarbeziehungen in gegenwärtigen Hochzeitspraktiken.

Während die Ehe heute aufgrund hoher Scheidungsraten als instabil und kurzlebig gilt, lässt sich gleichzeitig ein Boom aufwendig inszenierter Hochzeiten beobachten. Wie sind diese Praktiken der öffentlichen Inszenierung von intimen Paarbeziehungen zu verstehen und was hat das Begehren nach Hochzeiten mit Liebe zu tun?
Liebe gilt als selbstverständliche Voraussetzung für die Entscheidung zu heiraten, sei allerdings selten alleiniger Grund dafür. Weitgehend offen bleibt in der Forschung, was mit der Voraussetzung der Liebe gemeint ist und wie sich die emotionale Dimension von Hochzeiten zur Instabilität der Institution Ehe verhält. Das Forschungsprojekt untersucht dieses gesellschaftliche und individuelle Begehren nach öffentlicher Inszenierung von Liebe und Intimität zwischen zwei Menschen. Was bewegt heterosexuelle und homosexuelle Paare heute dazu, vor allen anderen, aber zu keinem dieser anderen, sondern ausschliesslich zueinander, zu sagen „Ja, ich will (dich)“? Ziel der Studie ist es, Einsichten darüber zu gewinnen, wie durch Hochzeitspraktiken Emotionen zum Ausdruck gebracht und hergestellt werden und wie in diesen Inszenierungen zugleich Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität normalisiert und transformiert werden.
Mittels einer Triangulation qualitativer Methoden nimmt die mikrosoziologische Studie das individuelle Erleben von heterosexuellen und homosexuellen Paaren ihres ‚schönsten Tages‘ in den Blick. Durch die Untersuchung konkreter Hochzeitsphänomene in der Deutschschweiz leistet das Projekt einen Beitrag zur Erforschung einer ‚Praxis der Liebe‘ und begegnet damit einem vielfach festgestellten Forschungsdesiderat in der Soziologie und der Geschlechterforschung.

Projekt-Homepage am Zentrum Gender Studies

Supervisor: Andrea Maihofer

 

Bio:

Studium der Geschlechterforschung und der Soziologie an der Universität Basel (Master of Arts, Dezember 2011). Seit September 2012 Kollegiatin im Graduiertenkolleg Geschlechterforschung IV "Geschlechterverhältnisse - Normalisierung und Transformation", Teilprogramm der Graduiertenschule Social Sciences (G3S) des Departements Gesellschaftswissenschaften der Universität Basel. Seit Oktober 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt ‚Hochzeitspraktiken‘, finanziert vom Schweizerischen Nationalfonds (Laufzeit: Okt. 2013 – Sept. 2016).