Formen des neuen Autoritarismus in Deutschland und der Schweiz

Meine Dissertation, Formen des neuen Autoritarismus in Deutschland und der Schweiz, bezieht sich auf die (vergleichende) Autoritarismus- und Rechtspopulismusforschung und ist ferner im wissenschaftlichen Feld der politischen Soziologie angesiedelt. In dieser Arbeit schließe ich an die explorative Studie Autoritarismus und Zivilgesellschaft an, die ich zusammen mit Oliver Nachtwey durchgeführt habe. Wir interviewten Personen, die durch ihre gleichzeitige Bezugnahme auf eine linksliberale Bewegungsorganisation und die AfD einen scheinbaren Widerspruch von linksliberalen Engagement und autoritärer Politik verkörperten. Das nahmen wir zum Anlass, um nach neo-autoritären Formen politischer Partizipation zu Fragen. Im Zentrum meiner Dissertation steht die Durchführung weiterer narrativer Interviews mit einer schweizerischen Personengruppe und der länder- und kulturspezifische Vergleich dieser Fälle mit den relevanten Fällen der bundesdeutschen Ausgangsstudie. Mein Ziel ist die Herausarbeitung eines empirisch begründeten Theoriebeitrags zum neuen Autoritarismus. Dabei verfolge ich die Forschungsfrage nach den moralischen und praktischen Ausprägungen rebellisch-autoritärer Formen zivilgesellschaftlichen Engagements in Deutschland und der Schweiz. In meiner Forschung berücksichtige ich zentrale Aspekte der sozialen Position und politischen Biografie der Befragten und stelle Zusammenhänge mit bestimmten Kontextfaktoren (insb. politische(s) System und Kultur) und Makrophänomenen (insb. regressive Modernisierung und Postdemokratie) der Vergleichsgruppen her. Ich gehe also davon aus, dass die beobachteten neoautoritären Phänomene Formen der Dissidenz darstellen, die sich in Sprache und Praxis (paradoxerweise) auf die demokratische Ordnung in Deutschland und der Schweiz beziehen und dabei eine (ausgeprägte) sozialstrukturelle und soziopolitische Gruppen- und Situationsspezifik aufweisen. Damit reagiere ich auf ein auffälliges Defizit an qualitativer Forschung und empirischer Theoriebildung innerhalb der gegenwärtigen Autoritarismus- und Rechtspopulismusforschung.

Supervisor: Oliver Nachtwey

Co-Supervisor: Andrea Maihofer

Bio

Ich habe zunächst Sozialwissenschaften, Englisch und Philosophie an der Universität Siegen studiert. Hier war ich im SFB «Medien der Kooperation» tätig und sammelte im Teilprojekt «Going Public in medienkooperativen Engagementformen» erste praktische Erfahrungen und Kenntnisse der empirischen Sozialforschung. Von Ende 2017 bis Anfang 2019 war ich zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialstrukturanalyse der Universität Basel und dann Stipendiat der G3S. In dieser Zeit war ich federführend für die Umsetzung der explorativen Studie «Autoritarismus und Zivilgesellschaft» verantwortlich. Seit April 2019 bin ich wieder am Lehrstuhl angestellt und hier für die Weiterführung der Forschung zum neuen Autoritarismus zuständig. Des Weiteren habe ich im HS2017 und HS2018 Seminare gehalten und werde im HS2019 das Seminar «Verschwörungstheorie(n) im Internet: eine forschungspraktische Annäherung» anbieten.  

Publikationen

Nachtwey, Oliver/Heumann, Maurits (2019 im Erscheinen). Regressive Rebellen und autoritäre Innovatoren: Typen des neuen Autoritarismus. In: Dörre, Klaus/Rosa, Hartmut (Hg.): Große Transformation? Zur Zukunft moderner Gesellschaften. Sonderband Berliner Journal für Soziologie (i. E.).

Agridopoulos, Aristotelis & Maurits Heumann (2019, im Erscheinen). Bonnie Honig. In Comtesse Dagmar; Flügel-Martinsen, Oliver; Flügel-Martinsen, Franziska & Martin Nonhoff (Hrsg.). Radikale Demokratietheorie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Maurits Heumann
Seminar für Soziologie
Petersgraben 27
4051 Basel