Artikulationen von Jugendlichen in der Jugendhilfe im Ringen um hegemoniale Ordnungen

In diesem Dissertationsprojekt wird aus einer multidimensionalen und gesellschaftstheoretischen Perspektive untersucht, wie Jugendliche in der Jugendhilfe mit hegemonialen Normen und Anforderungen umgehen.

Gerade Jugendliche, die in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe leben, sind unmittelbar mit vielfältigen gesellschaftlichen Differenzmarkierungen sowie Normalisierungsbestrebungen konfrontiert. Der Blick auf die Situation von Jugendlichen in der öffentlichen Erziehung gibt daher Aufschluss darüber, wie Macht und Herrschaft heute funktioniert und auf welche Art und Weise hegemoniale Ordnungen vermittelt und verhandelt werden.

Mich interessiert wie Jugendliche und junge Erwachsene in der Jugendhilfe in gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingebunden sind, wie sie z.B. Geschlechterverhältnisse, Rassismus, kapitalistische Produktionsverhältnisse usw. wahrnehmen und wie sie mit den damit verknüpften Anrufungen umgehen. Zentral ist dabei die Frage, wie sie selbst an der Verhandlung von hegemonialen Normen beteiligt sind.

Mittels Protokollen aus teilnehmenden Beobachtungen des Einrichtungsalltags und offenen, teil-narrativen Interviews mit den Jugendlichen spüre ich deren alltagskulturellen Praktiken, ihren Selbstverhältnissen, Artikulationen, Darstellungsweisen und Deutungsmustern nach. Dabei lasse ich mich von folgenden Forschungsfragen leiten: Wie ist ihre Sicht auf gesellschaftliche Verhältnisse, Differenzordnungen und Machtformationen und wie positionieren sie sich innerhalb dieser? Welche Strategien entwickeln die Jugendlichen in der Aneignung von, in der Verhandlung mit und in der Abgrenzung zu hegemonialen Werten, Normen und Anforderungen? Welche Identifkations- und Distinktionsprozesse finden statt? Inwieweit werden gesellschaftliche Ordnungen und Dominanzverhältnisse mit hergestellt, reproduziert und stabilisiert, oder auch potentiell umgedeutet, angeeignet, kritisiert und transformiert?

Keywords: Multidimensionalität von Macht- und Herrschaftsverhältnissen, Gender und Queer Studies, Kritische Soziale Arbeit, Jugend, Agency

Supervisor: Andrea Maihofer

Co-Supervisor: María do Mar Castro Varela (Alice Salomon Hochschule Berlin)

Bio

folgt noch

Nadine Sarfert
Graduate School of Social Sciences
Petersgraben 9/11
4051 Basel
Schweiz