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Vielfältige Veranstaltungsreihe der Graduate School of Social Sciences G3S

Ringvorlesung Geld-Macht-Wissen: (Un-) Möglichkeiten von Wissenschaft heute

(Un-)Möglichkeiten von Wissenschaft heute

Die Idee dieser Vortragsreihe geht zurück auf viele Diskussionen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Hochschulpolitik, die sich im Sommer 2016 im Rahmen der G3S gründete. Unsere eigene Ausgangssituation warf die Frage auf, welchen Bedingungen und Verhältnissen wir als wissenschaftlicher Nachwuchs ausgesetzt sind.

Wie sind wir situiert?
Welche Perspektiven haben wir, insbesondere als Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen?
 
 
Was macht der Konkurrenzdruck um Stipendien und Fördermittel mit uns?
 
Gibt es ein Machtgefüge an der Universität und wenn ja, in welcher Art und Weise manifestiert sich dieses?

Die Liste der Fragen liesse sich natürlich fortsetzen. Um es kurz zu machen: Mit der Feststellung, nur begrenzt im Besitz von Geld, Macht und Wissen zu sein, haben wir uns die Frage nach den Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten von Wissenschaft heute gestellt.

Zur Klärung dieser Frage lasen wir, typisch für Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen, in einem ersten Schritt einschlägige Literatur. Doch von Texten alleine wird man nicht satt. Also trafen wir uns im Dezember vergangenen Jahres in einem Restaurant zur Verständigung darüber, wie wir die oben genannten Fragen und Themen besser diskutieren könnten.

Wir kamen dabei auf die „Lange Nacht der Kritik“ zu sprechen, die im Oktober 2016 an der Universität Zürich als Gegenentwurf zur „Langen Nacht der Karriere“ initiiert wurde. Und wir fragten uns, ob das für Basel ebenfalls ein entsprechendes Format sein könnte. Das ist es in der Tat, und dieses Jahr wird es in Basel am 24.11. ebenfalls eine lange Nacht der Kritik geben. Uns von der AG erschien eine Nacht damals jedoch nicht ausreichend, um all die für uns unbeantworteten Fragen zu diskutieren. So entstand die Idee einer Ringvorlesung.


Die Voraussetzungen dieser Ringvorlesung könnten „besser“ nicht sein: Die Sozial- und Geisteswissenschaften stehen wie noch nie in der Kritik ihrer „gesellschaftlichen Relevanz“; manchen Fächern wird gar der Vorwurf gemacht, keine Wissenschaft zu betreiben und keinen Mehrwert für die Gesellschaft zu erzeugen. Zudem wurde kürzlich beschlossen, dass die Universität Basel Sparmassnahmen ergreifen muss. Es geht also, ganz einfach, um die Frage, was „Wissenschaft“ wert ist.

Die Einbettung der Wissenschaft in die Frage des Wertes und des Nutzens verleitet dazu, Wissenschaft als objektiv messbar, quantitativ bestimmbar und wertfrei zu betrachten. Unseres Erachtens ist Wissenschaft immer ideologisch und normativ. Wissenschaft wird unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen betrieben und ist eingebunden in bestimmte Macht- und Kräfteverhältnisse. Wissenschaft findet in einem bestimmten ideellen und materiellen Kontext statt. Und die Frage nach dem gesellschaftlichen Mehrwert offenbart bereits eine gewisse normative Voraussetzung, ebenso wie der Vorwurf, „ideologisch“ zu sein.

Da es immer klug anmutet, jemand anderes zu zitieren, berufen wir uns auf Friedrich Nietzsche, der in jungen Jahren in Basel Professor gewesen ist:
„»Die Erkenntnis um ihrer selbst willen« – das ist der letzte Fallstrick, den die Moral legt: damit verwickelt man sich noch einmal völlig in sie.“
Man kann „Moral“ hier austauschen mit Ideologie.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Wissenschaft beliebig ist und dass es keine Kriterien gibt, die man aufstellen kann. In diesem Sinne muss Wissenschaft aber immer auch ihre eigenen Bedingungen und Voraussetzungen kritisch prüfen und hinterfragen.

Diese Ringvorlesung verfolgt die Absicht, genau das zu tun. Die AG Hochschulpolitik geht aus von einem Wissenschaftsverständnis, das engagiert und kritisch ist. Dafür haben wir eine Vielzahl unterschiedlicher Personen eingeladen, die mit uns über die Entwicklung der Wissenschaft und der Universität diskutieren werden.